Break Free
Deine limitierenden Geschichten sind dein Gefängnis.
Leben ist Forschung.
Los-lassen eine Entscheidung.
Energie folgt der Aufmerksamkeit.
Ich bin unverschämt würdevoll.
Vier Wochen ist es her, seitdem ich mein Erlebtes auf Papier gebracht habe. In diesen vier Wochen ist eine Menge passiert. Ich war als reisende Sektion vom Radikal Center Bridgehouse unterwegs auf lebendigen Abenteuern. Diese Reise steht weiterhin im Kontext Radikaler Intimität und Radikaler Würde (lies dazu die letzten beiden Artikel). So sehr ich es liebe unterwegs zu sein, so sehr freue ich mich, heute wieder voll und ganz im Bridgehouse anzukommen - und nicht nur für einige Tage.
Archetypische Räume sind ein Katalysator für Radikale Verantwortung. Trainingsräume sind solche archetypischen Räume. Und genau durch vier solcher Trainingsräume bin ich die letzten vier Wochen gesurft. Nun sitze ich hier, um einiges von dem Erlebten in Worte zu fassen.
Break Free - Befreie dich aus limitierenden Gefängnissen
“Ich habe die Nase gestrichen voll”, sagt ein bekanntes Sprichwort. So häufig habe ich es selbst gesagt. Was bedeutet: ich habe abgewartet habe, bis das Fass randvoll war. Doch nach dieser Reise steht fest, solange werde ich nicht mehr warten.
Warten heißt: ignorieren, herunterschlucken oder tolerieren.
Tolerieren heißt auch, dass ich rette. Dabei rette ich mich davor, gefährlich zu sein, unbequem, ein lebendiger Drache für die nächste Kultur. Sei es im Trainingsraum, im Bridgehouse sei es, wenn ich Raumhalte für meine Kreise; wenn ich das Verhalten einer anderen Person nicht so schlimm finde, oder denke “das ist ihr Problem!”, dann unterminiere ich das, was im Raum oder in der Beziehung möglich ist. Ein “passt schon” limitiert die archetypischen Kräfte, die durch mich durchfließen können. Jedes “ist ja nicht so schlimm” limitiert, dass etwas anderes möglich ist, auf die Überlebensstrategien meiner Box.
Im Break Free Training auf Somos wollte eine Teilnehmerin zum wiederholten Male die “trotzige Mädchennummer” durchziehen. Zunächst dachte ich, ich sei diesbezüglich “neutral”. Getreu dem Motto, sie verbaut sich IHR Leben, nicht meines. Doch mit dieser vermeintlichen “Neutralität” betäubte ich nur meinen eigenen “Schmerz”. Schließlich brach all meine Wut aus mir heraus: Meine Wut über angepasstes Verhalten, für das so viele Menschen sich entscheiden. Viele Menschen entscheiden sich dafür, lieber klein zu bleiben und das Spiel mitzuspielen, welches ihnen von der modernen Kultur angeboten wird. Als ich meinen Drachen sprechen ließ, sagte ich dann in etwa folgendes: “Sklaven (Angestellte, Angepasste, Unterdrückte, …) bemerken gar nicht, wie viel Macht sie haben. Wenn Sklaven aufstehen und das System verlassen, dann würde das System zusammenbrechen. Wenn alle Mexikaner in den USA sagen würden ‘Uns reicht es - wir steigen aus’, würde das System USA, so wie es heute ist, zusammenbrechen. Wenn alle Frauen zu ihren Männern sagen würden: ‘Ich werde nicht mehr mit dir schlafen, solange du den Krieg unterstützt’, würde es keine Kriege mehr geben. Wenn alle Menschen, die sich selber vorheucheln sie können nicht, sind zu dumm, zu schwach, zu klein, zu was auch immer, aufstehen würden und ihr eigenes Niederes Drama beenden würden, dann würde es kein Patriarchat mehr geben.”
Warum sollte ich also jemals noch ein noch so kleines “fick dich” durchrutschen lassen, ohne daraus eine Konsequenz für mich und meinen Raum zu ziehen? Ich bin weder der emotionale Mülleimer von jemandem noch die Anlaufstelle für Menschen, die sich ihrem eigenen Niederen Drama verschrieben haben.
Im Break Free sagte ich dann vor versammeltem Team, dass ich aussteige aus meinem eigenen Spiel des Rettens. Ich sagte der Frau, dass ich bereits mehrere Türen für sie geöffnet habe, durch die sie nicht gegangen ist, weil sie lieber ihrem Gremlin das Steuer überlies. “Ich werde keine weiteren Türen mehr öffnen. Das Retten ist vorbei!” Ich entschied, dass ich ihr trotziges Mädchenspiel (eine beliebte Opferrolle) nicht mehr mit mache. In dem Moment konnte etwas ganz Magisches passieren. Ein ganzes Dorf stand auf und dafür ein, diese Frau durch einen Prozess zu begleiten. Ein ganzes Dorf saß ihr gegenüber, bis zu dem Punkt, wo das Dorf dann ihr Sein durchrufen konnte.
Das Verrückte an der ganzen Sache ist, dass ich din der Pause danach so entspannt war, dass ich lachen musste und deklarierte: “Wenn jetzt jeder einzelne hier sagen würde, er oder sie verlasse heute das Training, dann wäre ich absolut zufrieden. Denn dieses Training mache ich für niemanden anderen. Das ist mein Training. I am breaking free.” Wir flogen weiter! Alle miteinander. Auf High Level fun. Mit einer Drachin, die ausschließlich tut, was sie will.
Wie ist es mit dir? Lässt du die alten Geschichten los, die dich starr und unbeweglich halten?
Wie brichst du aus deinen Gefängnissen aus, die dich im Status Quo halten?


Los-lassen - es sein lassen
Manchmal ist Ausbrechen einfach nur Loslassen! Los-lassen. Los lassen. Es geschehen lassen. Es sein lassen. Es geschieht von alleine, wenn du die Intention und Entscheidung dafür setzt.
Wie oft haben Menschen sich selbst geißelt, wenn sie sich im eigenen Sumpf wiedergefunden haben. Es bringt dir rein gar nichts, wenn du im eigenen Drama Sumpf fest steckst, dir wehement zu befehlen, endlich aus dem Niederen Drama auszusteigen. Das erhöht nur den Druck und du klebst noch fester in der eigenen Überlebensstrategie fest. Doch was wäre mit Los-lassen? Dich durch deine eigenen Geschichten sinken lassen? Bis du am Boden der Tatsachen ankommst, in der Realität?
Hältst du an einer alten Geschichte fest, die dir nicht dient? Wenn du es wirklich kriegst, dass jede Geschichte nur eine Geschichte ist, entsteht auf einmal eine Lücke, in der du durchatmen und los-lassen kannst. Keine Geschichte ist real. Auch dein Sumpf, mit all seinen Geschichten, ist nicht real.
Du musst deinem Gehirn auch nicht befehlen: “Einatmen. Ausatmen.” Das macht dein physischer Körper schon ganz von alleine.
In diesem Sinne: Atmen lassen. Los lassen.
Lisa



